Video-Toolbox / BeleuchtungKein Geld für mehr Licht? Kein Problem! Hier findest du einige hervorragende Lösungen, die dein Motiv ganz sicher zum Scheinen bringen.
Reflektoren sind für jeden Videoproduzenten ein unersetzliches Hilfsmittel für die optimale Beleuchtung. Denn mit ihnen kannst du das Licht steuern und zielgerichtet einsetzen. Dieser Artikel befasst sich mit Reflektoren, ihren Einsatzmöglichkeiten und den verschiedenen Reflektortypen.
Es gibt hauptsächlich zwei Arten von Reflektoren: Reflektoren für hartes Licht und Reflektoren für weiches Licht mit strukturierter Oberfläche. Reflektoren für hartes Licht verfügen über eine flache, sehr glatte gold- oder silberfarbene Oberfläche, die das von der Lichtquelle (Sonne oder Leuchte) abgegebene Licht reflektiert. Diese auch Reflektorboards oder -wand genannten eckigen Reflektoren gibt es in mehreren Größen. Sie werden häufig in Film- und Werbeaufnahmen verwendet und sind meist recht teuer. Eine günstige Alternative sind jedoch Schaumkernplatten. Reflektoren für hartes Licht können sehr gut draußen bei Wind verwendet werden und lenken das Licht genau an die gewünschte Stelle. Die meisten Reflektoren verfügen über eine stark reflektierende und eine gering reflektierende Seite für eine unterschiedliche Intensität. Die beiden Seiten werden auch als "hart" und "weich" bezeichnet, um so die Qualität des reflektierten Lichts, nicht die des verwendeten Materials, zu beschreiben.
Softreflektoren beziehungsweise faltbare Reflektoren mit strukturierter Oberfläche gibt es in den Farben Gold, Silber und Weiß oder in diversen Farbkombinationen. Ihre Oberfläche ist uneben oder unregelmäßig, sodass das reflektierte Licht über einen größeren Bereich gestreut wird und somit weicher ist. Du kannst Reflektoren mit strukturierter Oberfläche als Haupt- oder Fülllicht für deine Motive verwenden. Diese Reflektoren spenden ein ähnliches Licht wie indirekte Lichtquellen. Augrund des weichen, diffusen Lichts sind Reflektoren mit strukturierter Oberfläche besonders gut geeignet, um die Gesichter der Darsteller zu erhellen.
Wenn du die Sonne als primäre Lichtquelle nutzt, sind Reflektoren unerlässlich. Mit der Sonne als Hintergrundbeleuchtung und entweder einem Reflektor mit strukturierter Oberfläche oder der gering reflektierenden Seite einer Platte als Hauptlicht kannst du deine Darsteller äußerst effizient beleuchten, ohne dass sie ständig blinzeln müssen. Der Darsteller sollte so stehen, dass die Sonne über seiner rechten Schulter auf 10:30 Uhr steht. Bei diesem Winkel kann die Sonne nicht direkt in das Objektiv scheinen, sodass kein Lens Flare entstehen kann. Stelle den Reflektor an der 4:30-Uhr-Position vor dem Darsteller auf und achte darauf, dass der Winkel hoch genug ist, dass zwar ein Glitzern in den Augen erkennbar ist, der Darsteller jedoch nicht blinzeln muss (siehe Abbildung 1). Wenn du ein weiches weißes Licht benötigst, verwende einen weißen Reflektor. Ein silberfarbener Reflektor sorgt für ein stärkeres Funkeln. Wenn du das Gesicht oder den Körper des Darstellers in wärmerem Licht zeigen willst, verwende einen goldfarbenen Reflektor. Um diese Effekte abzuschwächen, kannst du dich für einen der neuen Kombinationsreflektoren entscheiden (weiß/gold, weiß/silber, silber/schwarz und silber/gold).
Eine Oberfläche hat eine Farbe, weil sie diese reflektiert. Daher spiegelt ein goldfarbener Reflektor goldenes Licht wider und ein weißer Reflektor weißes Licht. Diese Tatsache kannst du ausnutzen. Um zu zeigen, dass deine Darsteller frieren, verwende einen blauen Oberflächenreflektor. Wenn du rüberbringen möchtest, dass deinen Darstellern fürchterlich heiß ist, setze rotes Licht ein. Welche Farbe du für deine Reflektoren verwenden solltest, hängt davon ab, welche Stimmung und Empfindungen du vermitteln möchtest.
Wenn du die Sonne nutzen, dein Darsteller jedoch aufgrund des Hintergrunds und der Szenenanforderungen im Schatten bleiben muss, dann ist das kein Grund zur Panik. Du brauchst nicht gleich die großen HMI-Leuchten und 300 m Kabel auszupacken. Stelle einfach einen gold- oder silberfarbenen Reflektor zum Beleuchten der Szene auf. Generell sollte zum Erzeugen von Haupt- oder Fülllicht kein Reflektor für hartes Licht verwendet werden.
Ein Reflektor für hartes Licht erzeugt ein beinahe ebenso intensives Licht wie die Sonne. In den Reflektor zu sehen ist deshalb fast so, als würdest du direkt in die Sonne schauen. Stelle den Reflektor so auf, dass er das Sonnenlicht zunächst auf einen Reflektor für weiches Licht wirft, von dem aus es dann auf deinen Darsteller gelenkt wird. Es ist so ähnlich wie beim Billard. Das Licht wird von der Sonne in einer direkten Linie abgestrahlt, sodass der Reflektor es genau in die entgegengesetzte Richtung lenkt.
Wenn das Licht in einem 45-Grad-Winkel einfällt, wird es in einem Winkel von 135 Grad reflektiert. Dies ist besonders effektiv, wenn du Licht unter dichten Bäumen in einem Park oder einem schattigen Bereich in der Stadt reflektieren musst. Nur wenn du weit weg vom Motiv bist oder der Himmel bewölkt ist, solltest du einen Reflektor für hartes Licht verwenden, um das Motiv direkt anzustrahlen.
Bei der Sonne als primärer Lichtquelle stellt sich nur ein Problem: Sie wandert. Selbst wenn deine Aufnahme nur ein paar Minuten dauert, muss der Reflektor zwischen den einzelnen Takes möglicherweise nachgestellt werden. Behalte das beim Aufstellen der Reflektoren und Planen der Aufnahme im Hinterkopf. Die besten Lichtverhältnisse herrschen am frühen Morgen und späten Nachmittag, aber mit einem gut platzierten goldfarbenen Reflektor kannst du diese Zeiträume verlängern. Dabei musst du die Winkel dem Stand der Sonne anpassen.
Manche sind der Überzeugung, Reflektoren seien nur beim Einsatz draußen im Sonnenlicht effektiv. Tatsächlich sind Reflektoren auch innen eine große Hilfe. Wenn beim Drehen in hellen Büroräumen die Sonne direkt durch die Fenster scheint, kannst du das Licht mit einem Reflektor für hartes Licht auf einen Reflektor für weiches Licht oder auch die Decke lenken. So hast du sofort ein gutes Hauptlicht und das Fenster fungiert als Gegenlicht. Natürlich musst du wegen der Fenster noch Neutraldichtefilter hinzufügen, sodass sie nicht zu hell sind, aber das ist das Thema eines anderen Artikels.
Du kannst Reflektoren auch mit Videoleuchten verwenden. Wenn du einen Reflektor gegenüber einer starken Hintergrundbeleuchtung platzierst, kannst du weiches Licht auf die Darsteller lenken und sie so mit einem einzigen Beleuchtungsmittel in Szene setzen. Mit einem weichen weißen Bouncer kannst du zusätzlich Fülllicht erzeugen.
Manchmal ist es schwer, die richtige Position für die Beleuchtung zu finden, da der Standort deines Darstellers nur einen bestimmten Spielraum offen lässt. Ein Reflektor für hartes Licht kann helfen, da er deine primäre Lichtquelle beinahe identisch wiedergibt. Richte deine primäre Lichtquelle auf einen Reflektor für hartes Licht und lenke das Licht dann auf einem Reflektor für weiches Licht, von dem es dann auf deinen Darsteller fällt. Das Geheimnis sind die richtigen Winkel. Ein Reflektor braucht keinen Strom und du kannst ihn nahezu überall aufstellen.
Vergiss hierbei nicht den größten Reflektor, der drinnen zu finden ist – die Decke. Mit einer weißen Decke als Reflektor kannst du ein sehr schönes Fülllicht für den Darsteller erzeugen. Die Decke muss jedoch unbedingt weiß sein. Die Farbe des reflektierten Lichts entspricht nämlich immer der Farbe der Reflektoroberfläche.
Eine gute Beleuchtung basiert auf der kreativen Verwendung von Beleuchtungstechniken und den verfügbaren Tools. Reflektoren haben sich als äußerst nützliche Tools erwiesen. Nutze deine Fantasie und Reflektoren, um die gewünschte Atmosphäre für dein Projekt zu schaffen. Effektiv eingesetzte Reflektoren erzeugen eine glaubhafte, stimmungsvolle Beleuchtung, die deinen Projekten einen professionellen Touch verleiht.
Der Verfasser Dr. Robert G. Nulph ist ein unabhängiger Produzent und Regisseur, der Videoproduktion an Hochschulen lehrt.
Dieser Artikel wurde in der Ausgabe vom Juli 2006 des Videomaker Magazine zum ersten Mal veröffentlicht. Weitere Infos zur Videoproduktion findest du auf der Website des Magazins oder in der Video-Toolbox.