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Das Einmaleins der Schnitte: Die Schule beginnt

von Morgan Paar   © 2004 Videomaker, Inc.

Videomaker Magazine

Wie meißele ich einen Elefanten aus einem Marmorblock? Ganz einfach. Nimm einen Marmorblock und entferne alles, was nicht wie ein Elefant aussieht. Wie schneide ich drei Stunden Rohmaterial zu einem leichtverdaulichen dreiminütigen Film? Kein Problem, nimm einfach das ganze schlechte Zeug raus. Nachfolgend findest du eine kurze Auflistung von Techniken, mit deren Hilfe du das "schlechte Zeug" beim Schneiden entfernen kannst.

5 Sekunden an Heads and Tails

Das ist eher eine Aufzeichnungsmethode als ein Tipp zum Schneiden, aber wahrscheinlich drehst du ja auch. Falls nicht, sollten deine Kameraleute sich das ansehen. "Heads and Tails", die in einigen Schnittumgebungen als Ziehpunkte bezeichnet werden, sind Bandabschnitte, die vor dem eigentlichen Beginn oder Ende der Handlung aufzeichnet werden. Ich zeichne normalerweise mindestens fünf Sekunden am Anfang und am Ende zusätzlich auf. Das ist wirklich wichtig, insbesondere wenn du vor oder nach deinem Clip einen Fade- oder Dissolve-Effekt verwenden möchtest. Wenn die gefilmte Person zum Beispiel sofort zu sprechen anfängt, nachdem du die Aufnahmetaste gedrückt hast, hast du nicht genug Material, um von Schwarz aufzublenden. Beim Drehen drücke ich die Aufnahmetaste, sage "Kamera läuft" und warte, bis der Zeitcode auf dem LCD-Monitor fünf Sekunden erreicht. Erst dann rufe ich "Action!". Wenn die gefilmte Person aufhört, zu sprechen, warte ich noch fünf Sekunden, bevor ich "Schnitt" sage.

Organisation

Eine gute Organisation ist äußerst wichtig, und zwar viel wichtiger als du vielleicht denkst. Riesige Festplatten und deine eigene ehrgeizige Kreativität führen auch bei einem kleinen Projekt schnell zu hunderten von Mediendateien (Video- und Audiodateien, Standbilder). Beim Organisieren des Rohmaterials sortiere ich alle Clips in Ordnern mit Suchbegriffen zum Durchsuchen. Außerdem nutze ich die Farbcodes und das Kontrollkästchen für "gutes" Material im Browserfenster von Final Cut Pro. Alle besseren Schnittprogramme bieten Organisationstools und ich rate dir, diese intensiv zu nutzen. Wenn du in 30-stündigem Rohmaterial nach einem gewünschten Zitat suchen musst, wirst du froh darüber sein.

Monitore

Dies ist die kostspielige Lösung eines ernsten Problems, die jedoch ganz oben auf deiner Wunschliste stehen sollte. Du musst dein Video anzeigen können, da es von anderen angesehen wird, und das Bild auf deinem Computerbildschirm entspricht nicht der Wiedergabe auf einem Fernseher. Jeder professionelle Schnittplatz verfügt aus gutem Grund über einen Videomonitor. Hiermit können Farbe und Maskierung geprüft sowie Interlacing-Probleme erkannt werden. Die beste Lösung ist ein professioneller Produktionsmonitor, wenn du aber keine 700 US-Dollar übrig hast, ist ein normales Farbfernsehgerät sicherlich besser als nichts.

Für Rhythmus gibt es ebenso viele Definitionen und Techniken wie Cutter. Beobachte den Rhythmus in anderen Werken und finde den Rhythmus, der zu deinem kreativen Stil und deiner aktuellen Arbeit passt.

Rhythmus

Das Suchen und Finden des gewünschten Rhythmus war die beste Lektion, die ich auf der Filmhochschule gelernt habe. Ich arbeitete gerade an meinem ersten Kurzfilm auf einem Media 100-System, als der Kursleiter meinen kreativen Kampf bemerkte. Er setzte sich ohne weitere Erklärungen neben mich und drückte die Leertaste, um die Wiedergabe zu starten. Gleichzeitig tippte er mit dem Fuß auf den Boden, mit dem Finger auf den Tisch und nickte mit dem Kopf. Nach acht Takten drückte er wieder auf die Leertaste. "Hier musst du scheiden", sagte er. Für Rhythmus gibt es ebenso viele Definitionen und Techniken wie Cutter. Beobachte den Rhythmus in anderen Werken und finde den Rhythmus, der zu deinem kreativen Stil und deiner aktuellen Arbeit passt.

Trickreiche Überblendungen

Ich weiß, deine Software kennt 600 verschiedene Arten der Überblendung. Ich war auf vielen Filmfestivals und habe sie alle gesehen. Haben sie deine Story wirklich verbessert? Haben sie dein Werk aufgewertet? In 99 Prozent der Fälle haben sie es nicht. Bei den meisten Projekten wird hauptsächlich mit Schnitten und gelegentlichen Überblendungen und Ausblendungen ins Schwarze gearbeitet. Achte darauf, wie oft in Kino- oder Fernsehfilmen ein Starburst- oder Schachbrett-Effekt verwendet wird. Nicht oft. Klar, es gab abgefahrene Wischeffekte in Star Wars und organische Übergänge in dieser affektierten Batman-TV-Serie. Verwende diese Effekte nur, wenn sie für dein Werk notwendig sind und nicht nur, weil es sie gibt.

Audio

Ganz bestimmt ist dies der Bereich der Postproduktion, in dem Anfänger (und auch die Crew) die meisten Fehler begehen. Fast nie wird genug Zeit für einen guten, nein großartigen Ton verwendet. Der Ton wird beim Filmemachen häufig unterschätzt. Zum Ton gehören Produktionssound, Soundeffekte, Musik, Voice-over, Geräusche (während der Postproduktion aufgenommene Geräusche wie Trinkgeräusche oder Schritte) sowie jede Art von Sound, die im fertigen Produkt enthalten ist (oder eben nicht). Ich habe schon viele sagen gehört, dass ein guter Ton die Bilder aufwertet, aber ich kenne auch viele Filme und Dokumentationen, in denen der Ton die Szene oder gar den ganzen Film ausmacht. Du solltest für die Tonbearbeitung genauso viel Zeit einplanen wie für den Schnitt. Wenn du kein Experte auf diesem Gebiet bist, suche einen, besuche ein paar Kurse oder besorge dir ein paar Fachbücher zu dieser Kunstform. Vorm Audio Engineering brauchst du keine Angst zu haben, je eher du mit dem Experimentieren anfängst, desto professioneller werden deine Videos.

Du musst deine Zuschauer genau kennen und das Video so schneiden, dass es die gewünschten Emotionen bei ihnen auslöst.

Flash-Frames

In den USA bestehen Videos aus 30 Standbildern pro Sekunde, die, nacheinander abgespielt, dem Zuschauer den Eindruck eines bewegten Bildes vermitteln. Moderne Software ist framegenau, was Mitte der Achtzigerjahre, als ich noch an linearen Schnittpulten gearbeitet habe, noch sehr schwierig war. Das heißt, dass du eine Sekunde eines Clips an dreißig verschiedenen Stellen schneiden kannst. Jetzt stell dir vor, du filmst ein Interview und schaltest die Kamera anschließend aus. Deine nächste Aufnahme ist eine Nahaufnahme eines vorbeischnellenden Zuges. Jetzt arbeitest du konzentriert an deinem Pult. Wenn du deinen Rohschnitt anschaust, hast du den Eindruck, dass am Ende des Interviews etwas Seltsames geschieht. Du findest nicht heraus, was es ist, aber am Ende des Interviews vor der nächsten Szene scheint irgendwas zu zucken. Ein mögliches Problem ist, dass du einen einzigen Frame des Videos mit dem fahrenden Zug am Ende des Interviews auf der Timeline gelassen hast. Die zweite Möglichkeit ist, dass vor dem Schnitt ein leerer oder schwarzer Frame übrig gelassen wurde.

In der Timeline kannst du diesen Fehler nur sehen, wenn du ganz heranzoomst. Dann erkennst du, dass der Schnitt ein Bild enthält, das da nicht sein sollte. Ich sehe diesen Fehler häufig bei Studentenprojekten am Schnittplatz. Und, was noch schlimmer ist, auch in fertigen Produkten auf Festivals sind sie immer wieder zu finden. Das Schneiden ist eine exakte Wissenschaft. An einem Nachmittag kann man schon eine ganz ordentliche Arbeit machen, aber ein perfektes Video kann wochenlange Arbeit bedeuten.

"Töte deine Lieblinge"

Klingt ein wenig dramatisch, war aber die bevorzugte Formulierung einer Gruppe von Filmschülern, die ich unterrichtet habe, und sie hat ihnen gute Dienste geleistet. Beim Drehen, Regieführen oder Produzieren hängst du hin und wieder sehr an einer bestimmten Szene, die nicht einmal besonders gut ist. Beim Schneiden ist dein objektives Urteilsvermögen dann emotionsbedingt getrübt, sodass du die Szene einfach nicht löschst. Ganz schnell hast du Dutzende solcher Lieblinge, die aus einem kurzen und unterhaltsamen Fünf-Minuten-Film eine zermürbende, vierzig Minuten dauernde Belastungsprobe machen. Wenn deine Objektivität nicht zum Zerstören deiner Lieblinge ausreicht, lass dir von ein paar Leuten helfen, deren Urteil du vertraust.

Speichern nicht vergessen

Es ist genau wie mit dem Zähneputzen vor dem Schlafengehen: Alle wissen, das sie es tun sollten, aber die wenigsten tun es. Und eines Tages steht man dann ohne Zähne da. Dasselbe gilt für das Schneiden. Ich habe es mir angewöhnt, etwa alle fünf Minuten und nach einem komplizierten Schnitt zu speichern. Da die Projektdateien recht klein sind, speichere ich ab und zu auch neue Versionen meines Projekts, damit ich darauf zurückgreifen kann, wenn ich später meine Meinung ändere. Auf diese Weise gehen bei einem Stromausfall nicht die letzten beiden Arbeitsstunden verloren und du schaffst den knappen Termin.

Wer sind deine Zuschauer?

Seine Zuschauer zu kennen, ist ein weiteres, scheinbar einfaches Konzept. Aus eigener Erfahrung weiß ich jedoch, dass viele Cutter hierbei versagen. Wenn du einen Kurzfilm in einem Hospiz drehst, solltest du dieses schwierige Thema nicht in einem Hip-Hop-Stil à la MTV schneiden. Du musst deine Zuschauer genau kennen und das Video so schneiden, dass es die gewünschten Emotionen bei ihnen auslöst.

Final Cut

Das waren zehn allgemeine Bearbeitungstipps. Wenn du sie alle beherzigst, wirst du dir einen recht gut aussehenden Elefanten schnitzen. Nun kannst du freudig am Schnittplatz zur Tat schreiten. Dein Publikum wird die Vorstellung mit einem Lächeln im Gesicht verlassen, wenn du darauf abzielst.

Dieser Artikel wurde in der Ausgabe vom März 2004 des Videomaker Magazine zum ersten Mal veröffentlicht. Weitere Infos zur Videoproduktion findest du auf der Website des Magazins oder in der Video-Toolbox.