Video-Toolbox / PostproduktionSobald deine Videos mehr als nur private Urlaubsvideos sind, musst du die Musik dafür kaufen. Für die Musik in Videos für Kunden, Hochzeitsvideos, Kaufvideos, Wettbewerbsvideos oder anderen Aufnahmen öffentlicher Ereignisse musst du unbedingt die Rechte besitzen oder lieber keine Musik verwenden. Ganz im Ernst, die Musikindustrie sorgt für einen strengen und effizienten Schutz ihrer Rechte.
Du hast vier Möglichkeiten, legal Tracks zu beschaffen:
Natürlich gibt es auch noch eine fünfte Option: Komponiere ein Stück und spiele es ein. Dieses komplexe Thema wird hier jedoch nicht behandelt. Wir haben diese Optionen bereits besprochen und möchten hier nun das Pro und Kontra darlegen. Jede Art ist auf ihre Weise und in der richtigen Situation empfehlenswert.
Zunächst kannst du die Rechte an unzähligen Songs von Hip-Hop bis hin zu gregorianischen Gesängen mieten. Gehe hierzu einfach auf die Websites der ASCAP, BMI, SESAC oder Gema und folge den Anweisungen. Danach bist du zur Nutzung des gemieteten Stücks in einem spezifischen Programm für einen bestimmten Zweck berechtigt.
Diese Vorgehensweise hat mehrere Vorteile. Du kannst dein Programm mit genau der richtigen Art von Musik unterlegen, da du viele tausend Stücke zur Auswahl hast. Du kannst deine Videos mit den wunderbarsten Kompositionen der Welt veredeln, die von den talentiertesten Künstlern eingespielt und von den besten Tontechnikern abgemischt wurden. So kannst du erreichen, dass die Zuschauer sich besser mit deiner Arbeit identifizieren, da sie berühmte Tracks erkennen.
Aber das Ganze hat auch seine Nachteile. Die Rechte an einigen Stücken sind unmöglich zu bekommen, zumindest nicht für Kleinunternehmer, für andere Stücke sind die Kosten möglicherweise horrend. Du möchtest "Treulich geführt" aus Lohengrin, aufgenommen 1953 vom Hintertupfinger Radioorchester, verwenden? Kein Problem! Graceland von Paul Simon? Das ist was anderes.
Außerdem kommst du mit der Länge nicht weiter. Du kannst Stücke ein- und ausblenden und manchmal auch die Länge anpassen, indem du das Stück schneidest oder bestimmte Elemente mehrfach verwendest. Aber das war's dann auch schon.
Dennoch genügt in einigen Fällen ein einziges Musikstück. Meine Nichte wurde gerade zu Wynton Marsalis' Interpretation von Jeremiah Clarkes "Trumpet Voluntary" verheiratet. Beim Schneiden des Hochzeitsvideos werde ich mir ganz sicher die Rechte für diesen Track besorgen.
Lizenzgebührenfreie Musik, die speziell für Videos komponiert wurde, ist häufig viel praktischer. Dazu erwirbst du für eine einmalige Gebühr ein Musikpaket, in Form einer einzelnen CD oder gar ganzen Musikbibliothek. Du erhältst die Rechte zur unbegrenzten Nutzung aller Tracks in dem in der Lizenz dargelegten Umfang. Zur einmaligen Nutzung kannst du häufig einzelne Tracks kaufen und herunterladen.
Lizenzgebührenfreie Musik hat viele Vorteile. Einerseits ist sie auf ganz bestimmte Genres zugeschnitten, wie beispielsweise Werbespots, Hochzeiten, Unternehmensvideos und Schulungshilfen. Der Titel jedes Tracks deutet auf seinen Verwendungszweck hin, was zu ziemlich lustigen Namen wie "Unternehmen – Tadaaa!" und "Rosige digitale Zukunft" führen kann.
Die meisten CDs enthalten Stücke unterschiedlicher Länge, von fünf Sekunden dauernden Tonfolgen bis zu drei oder vier Minuten langen Kompositionen für das Underscoring. Bei den umfangreicheren Bibliotheken liegen die einzelnen Längen jeweils mit unterschiedlicher Instrumentation vor, zum Beispiel mit Klaviersolo oder Orchester in kleiner Besetzung. Manche bieten auch alternative Musikstile wie New Age, Bluegrass oder Soft Rock.
Beim Kauf eines umfangreichen Pakets ist oft auch eine Datenbank mit jedem einzelnen Schnitt erhältlich, die nach allen möglichen Suchbegriffen durchsucht werden kann. Solche Pakete sind jedoch normalerweise für Produktionsabteilungen oder Firmen gedacht, die für ihre vielen Programme dutzende oder sogar hunderte Tracks benötigen.
Die größten Vorteile von Buy-Out-Musik sind die Kosten und die Benutzerfreundlichkeit. Obwohl die Preise bei den Musikanbietern variieren, kannst du einzelne Stücke normalerweise ziemlich günstig mieten. Wenn du regelmäßig dieselbe Art von Video drehst, zum Beispiel Hochzeiten oder Schulungen, ist ein lizenzgebührenfreies Musikpaket häufig ein echtes Schnäppchen. Du kannst dann einfach den emotionalen Effekt, die Länge, die Instrumentation oder das Musikgenre auswählen und die passende Musik in das Video einbetten.
Negativ ist, dass die Kompositionen immer noch nicht genau dieselbe Länge haben wie dein Projekt, sodass du beim Schneiden Kompromisse eingehen und improvisieren musst. Außerdem klingen die meisten (aber nicht alle) Stücke aus Musikbibliotheken nach dem, was sie eben sind: Musik aus der Dose mit einem Hauch Fahrstuhlatmosphäre. Das ist super für Underscoring und andere unaufdringliche Passagen, aber du solltest aufpassen, dass es nicht zu sehr auffällt.
Das Angebot von SmartSound umfasst mehrere Produkte, mit denen du perfekt getimte Kompositionen mit zahlreichen musikalischen Arrangements schaffen kannst. Hierbei brauchst du in der einfachsten Form lediglich einen Track und einen Stil auszuwählen und die Länge einzugeben. Per Mausklick wird dann eine für dein Programm spezifische Version generiert.
Das ist außerdem eine echte Komposition, nicht nur Underscoring. Denn jede Komposition hat einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende. Am tückischsten ist der Mittelteil, der in Sekundenintervallen an beliebigen Stellen geschnitten und nahtlos mit Anfang und Ende verbunden werden kann. Die Stücke sind so raffiniert komponiert, dass sie unabhängig von der Länge perfekt klingen. Die Musik hat etwa die gleiche Qualität wie Buy-Out-Musik. Einige SmartSound-Tracks haben ihren Ursprung tatsächlich in der Buy-Out-Bibliothek der Music Bakery.
Die wenigsten Videosequenzen enden sekundengenau (mit einer Zeitcodeadresse wie 00:03:21:00). Wenn du Musik zeitlich an den Frame anpassen möchtest, füge einfach einige nicht erkennbare Frames hinzu, damit Musik und Aufnahme synchron sind.
Es gibt drei Arten von SmartSound-Programmen. Movie Maestro (50 US-Dollar) bietet Basisfunktionen und kann ohne Lizenzgebühren in nicht kommerziellen Anwendungen und Schulungsmaterialien verwendet werden. Du kannst die mitgelieferten Kompositionen durch den Kauf von SmartSound-CDs ergänzen und dann den Stil auswählen, der für die von dir produzierten Programme geeignet ist.
Quicktracks (gebündelt mit Adobe Premiere Pro) bietet einige nützliche Features und gewährt sämtliche kommerzielle Rechte. Das Profiprodukt SonicFire Pro (300 - 500 US-Dollar) bietet auch sämtliche kommerzielle Rechte und unzählige Features. Du kannst SonicFire-Originaldateien in der Vorschau anzeigen und herunterladen, mit allen Sounddateien, einschließlich MIDI- und Audio-CD-Tracks, arbeiten sowie die Zusammenstellung und Bearbeitung präzise steuern. Die Ergebnisse sind so gut, dass viele kleine Produktionsfirmen ausschließlich mit SonicFire arbeiten.
Das schleifenbasierte Komponieren ermöglicht dir eine noch umfassendere Anpassung der Musik. Der Grundgedanke ist simpel: Komponiere die Musik selbst, indem du sich wiederholende Segmente (sogenannte "Schleifen", da es sich bei den analogen Vorfahren tatsächlich um ein Band handelte, dessen Anfang und Ende verbunden wurden, um eine Endlosschleife zu erhalten) bearbeitest. ACID von Sony (gekauft von Sonic Foundry) ist die älteste und populärste Softwaresuite für schleifenbasiertes Komponieren. Andere Produkte sind Fruity Loops, Adobe Audition oder Bitheadz.
Bei der horizontalen Bearbeitung (auf einer Timeline) wählst du einen Anfangstrack, häufig ein rhythmisches Instrument, aus und zeichnest mehrere Abfolgen auf, die aus Wiederholungen der Schleife bestehen. Dann zeichnest du einen zweiten Layer auf dem nächsten Track auf der Timeline auf, eventuell den Bass. Füge so viele Layer und Instrumente hinzu, bis du den gewünschten Effekt erzielt hast.
Das klingt simpel, aber man darf dabei nicht vergessen, dass schleifenbasierte Software auf zehntausende unterschiedlicher Schleifen zugreifen kann, die von professionellen Musikern auf echten Instrumenten eingespielt wurden (im Gegensatz zur Synthesizermusik). Geschickt ausgewählt, kombiniert und optimiert ergeben diese Komponenten eine anspruchsvolle Musik, die nach einer Eigenkomposition klingt.
Beim schleifenbasierten Komponieren ist die gute Nachricht gleichzeitig auch die schlechte Nachricht: Du musst eigene Melodien und Arrangements schaffen. Mit musikalischem Talent und ein wenig Erfahrung kannst du erstaunlich gute und befriedigende Ergebnisse erzielen. Wenn du aber nur ein bisschen rumnudelst, wirst du nie ein zufriedenstellendes Ergebnis erhalten.
Unabhängig von deinem Talent verbringst du mit jedem Stücke eine ganze Menge Zeit. Stell dir vor, du erstellst eine 30 Sekunden lange Multilayer-Videomontage, für die du das Tempo und die Farbe bearbeitest, Effekte sowie sich bewegende 3D-Titel hinzufügst. Eine raffinierte schleifenbasierte Komposition kann ähnlich zeitaufwändig sein.
Wie versprochen gibt es für jeden Musiktyp den richtigen Platz. Je wichtiger ein bestimmtes Musikstück ist, desto eher lohnt es sich, die Rechte dafür zu erwerben. Wenn du dich auf ein bestimmtes Videogenre spezialisierst, ist eine gut ausgestattete Musikbibliothek mit "Buy-Out-Lizenzen" die beste Möglichkeit, einen professionellen Sound zu erhalten. Wenn dein Programm eine Vielzahl von Musikstilen abdeckt, ermöglichen SmartSound-Tracks ein hohes Maß an Vielseitigkeit und Schnelligkeit. Wer sowohl Zeit als auch Talent hat, kann seine Kreativität beim Layering von Musikschleifen ausleben.
Halt! Es gibt da doch noch etwas Besseres. Wenn du selbst Musik komponieren, arrangieren, einspielen und aufnehmen kannst, brauchst du die anderen Lösungen sowieso nicht.
Die folgende Liste enthält einige Hersteller von Musiksoftware, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Die folgende Liste enthält einige Beispiele für Unternehmen, die Musik- und/oder Soundeffekt-Bibliotheken herstellen. Es handelt sich nicht um eine vollständige Liste.
Dieser Artikel wurde in der Ausgabe vom Januar 2004 des Videomaker Magazine zum ersten Mal veröffentlicht. Weitere Infos zur Videoproduktion findest du auf der Website des Magazins oder in der Video-Toolbox.